Im September war es wieder soweit: Die Absolventen der VDST-Archäologie-Kurse treffen sich zum großen Forschungs-Survey. Seit vier Jahren veranstaltet der Ausbilder einmal im Jahr ein Dokumentationsprojekt, damit die frisch ausgebildeten Teilnehmer die Möglichkeit der praktischen Mitarbeit bekommen. 2026 ging es erneut auf die Insel Fehmarn.
Hier wollen die ambitionierten Taucher in den nächsten Jahren sämtliche Wracks auf dem Puttgardenriff dokumentieren. Diese tückische Sandbank ist vor allem im 19. Jahrhundert zahlreichen Schiffen zum Verhängnis geworden. Das Projekt wurde im Schulterschluss mit dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein entwickelt und genehmigt. Schwerpunkt der diesjährigen Arbeiten sind der in zwei Teile zerbrochene „Steinsegler“, der „Einmast-Segler“ und einige Umfeld-Positionen.

Die ersten Teilnehmer reisen schon am Vorabend an, einer sogar ganz aus Rheinland-Pfalz. Für das 17-köpfige Team wurde extra ein großes Landhaus samt Seminarraum gemietet. Ausreichend Platz für wissenschaftliche Ausarbeitungen – und Ausbildung. Denn der VDST vergibt Veranstalter Elmar Klemm für den Fehmarn-Survey die Brevetierungszulassung „Unterwasserarchäologie 2“. So kann ab sofort das gesamte archäologische Kursprogramm des VDST in Norddeutschland in einem Jahr angeboten werden. Der Großteil der Survey-Gruppe – fast alle waren bereits im Vorjahr mit dabei – nutzt die Gelegenheit, mit „UWA 2“ die Ausbildung abzuschließen. Los geht’s mit Theorie. Der „Wrackzeichner“ Alexey Konovalov vermittelt in seinem Workshop „Schiffbaukunde“ sehr anschaulich, wie man einen Spantenriss liest und wie dieser Schritt für Schritt zu einem Schiff ergänzt wird.

Für die Fachgerechte Dokumentation deren Überreste ist Gerd Knepel verantwortlich. Der Bundes-Fachbereichsleiter Archäologie ist extra nach Fehmarn gereist, um den Kurs einmal abzunehmen. Heute stellt er außerdem die professionelle Arbeit mit einem Zeichenrahmen vor. Das Abendprogramm bestreitet Mathias mit seinen bisherigen Recherchen zur Entstehung des Puttgardenriffs.

Am nächsten Tag geht es aufs Wasser. Vier Einsatzboote stehen bereit, um einen reibungslosen Ablauf auf See zu gewährleisten. Ingo Oppelt koordiniert die Ausfahrten. Er kennt das Seegebiet wie seine Hosentasche und hat zahlreiche Wracks auf dem Riff entdeckt. Wir sind perfekt aufgestellt und starten zu unseren einzelnen Einsatzzielen.

Der Versandungszustand wurde bereits am Vortrag von einer Gruppe geprüft. Auf dem flachen Riff herrscht zwar reichlich Strömung, aber die Sicht wird mit jedem Tag besser. Es wird gemessen, gezeichnet, Spanten gezählt, Baudetails festgehalten, fotografiert und gefilmt. Wo man hinsieht, laufen Maßbänder an Bordwänden entlang und halten Taucher akribisch Zahlen auf ihren Zeichentafeln fest. Die Teams sind mit Feuereifer dabei.


Am Samstag Nachmittag zieht der Wind wieder deutlich an. Vorsorglich bauen wir unsere Messeinrichtungen ab. Eine gute Entscheidung, denn am Sonntag können wir nicht mehr auslaufen. Damit ist an der Ostsee immer zu rechnen. Die Stimmung ist dennoch glänzend. In den vergangenen fünf Tagen ist jeder voll auf seine Kosten gekommen und wir sind mit unserer Forschungsarbeit einen großen Schritt weiter. 2027 sehen wir uns wieder … auf dem Puttgardenriff.

Kurse 2027
Die Termine für 2027 stehen fest. Voranmeldungen (elmar.klemm@tlv-sh.de) werden ab sofort entgegengenommen. Die Ausschreibungen folgen in Kürze.
SK Denkmalgerechtes Tauchen (Großensee): 10.-11.04.2027
SK Unterwasserarchäologie 1 (Schweriner See): 27.-30.05.2027
SK Unterwasserarchäologie 2 (Fehmarn): 28.08.-01.09.2027 (tbc)
© Fotos: Erhard Schulz, Alexey Konovalov, Elmar Klemm