Wracksuche am Seegrund

Wracksuche am Seegrund


Noch im April habe ich bei meinen Buddys geprahlt: Kompressor im Keller, Tauchboot in der Garage – das kann doch jeder. Ich hab jetzt nen eigenen Tauchsee. Dass ich wenig später eine Wrackexpedition direkt vor meiner Haustür vorbereiten würde, hätte ich mir aber in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Positionsbestimmung
Die Forschungs-Kampagne Großensee kann beginnen. Von amtlicher Seite ist alles vorbereitet. Auch ein Team archäologisch erfahrener Taucher ist dank eines guten Netzwerks schnell zusammengestellt. Doch zunächst einmal müssen wir das Wrack überhaupt finden. Im Forschungsbericht der SDA ist auf einer Karte eine Position markiert. Die mögliche Lage kann per Abgleich mit Google Earth schnell rekonstruiert werden. Wir wissen außerdem, dass das Wrack diagonal zum Westufer in etwa vier bis sieben Metern Tiefe liegen soll. Ich begehe das Areal zu Fuß. Der See ist durch Privatgrundstücke und Uferschutz hier nicht begehbar. In einiger Entfernung führt jedoch eine Feuerwehr-Zufahrt ans Wasser. Nach meinen Berechnungen muss das Wrack etwa 150 Meter* entfernt liegen.

Fund Wrack 1
Im September 2019 verabrede ich mich mit meinem Buddy Thorben. Mit ihm habe ich den ersten Großensee-Tauchgang gemacht und möchte dieses Experiment mit ihm teilen. Wir funktionieren ein Reel zur Buddyline um und tauchen ab. Einer auf der 7m- einer auf der 3,5m-Linie. Der Grund ist hier sehr trist. Sand, ab und zu ein Stein, ein paar alte Holzpfähle. Die Sicht beträgt höchstens zwei Meter. Doch nach etwa 20 Minuten ist es da: Vor uns erhebt sich eine mächtige Bordwand über den Grund. Wir haben das Wrack gefunden! Das Ufer fällt hier steil ab, der Kahn liegt mitten im Hang. Den tiefsten Punkt messen wir auf 7,50 Metern. Zu unserer Überraschung ist das Wrack recht gut erhalten. Wir sehen Bordwände, Spantengänge und einen sehr massiven Hecksteven. Am Bug ist das Boot deutlich fragiler. Eine Bordwand ist durchlöchert, die andere vollständig abgefallen. Dafür überragt der Bugsteven majestätisch die Szene. Wir sind überwältigt. Bei diesem Detailreichtum werden wir einiges zu tun haben. Nach einigen Fotos geht es auf den langen Rückweg. Wir können die Distanzen noch überhaupt nicht einschätzen. Auf der 5m-Linie fallen mir mehrere bearbeitete Hölzer auf. Könnten das Reste des angeblich verfallenen zweiten Wracks sein? Ich präge mir die Lage für einen der nächsten Tauchgänge ein.

*Positionsangaben sind bewusst verfälscht!

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